Vorhin bin ich zufällig auf das Blog von Jörg Kantel gestossen. Den Schockwellenreiter habe ich schon ewig nicht mehr verfolgt und wusste nicht, dass er mittlerweile auch der Piratenpartei beigetreten ist. Aufmerksam geworden bin ich, weil der Andreas Popp den Rücktritt von Parteiämtern nahe legt.
Zuerst einmal finde ich diese Rücktrittsforderung lächerlich. Das, was Jörg Andreas vorhält, halte ich nicht für einen Rücktrittsgrund. Ich finde, im Gegensatz zu Jörg, Andreas’ Entschuldigung glaubwürdig. Vor allem aber muss Andreas sich nicht vorwerfen lassen, er hätte sich der Jungen Freiheit angebiedert, sich mit deren Ideologie gemein gemacht oder er versucht hätte, offensiv am rechten Rand zu fischen, ganz im Gegenteil. Ich finde eher den Beissreflex verstörend und die Forderung einer solchen Konsequenz. Dass Andreas die Junge Freiheit nicht kennt, mag zwar irgendwie peinlich wirken, aber ist andererseits auch nichts, wofür ich Andreas verdammen werde, denn dazu macht er eine zu gute Arbeit in der Partei. Und der Fehler war nun auch nichts, was letztendlich wesentlich mehr als einen Sturm im Wasserglas darstellt.
Wer in Deutschland politisch tätig sein will muss in aller erster Linie den Willen haben, politisch tätig zu sein, mehr nicht. Klar kann es hilfreich sein, wenn man auch noch (offline-)medienbewandert ist, Politik, Geschichte oder Jura studiert hat, mit einem ehemaligen Minister zusammen in einem Kessel bei einer Demonstration gegen Gorleben war oder mit den Chefredakteuren der deutschen Presseflagschiffe auf Du und Du ist. Aber wie gesagt, alles überhaupt nicht nötig. Ich glaube eher im Gegenteil, dass man sich bei den Piraten eines Tages noch sehr die unbeschwerte Zeit zurückwünschen wird, in der man noch nicht zum Establishment gehörte und diese Unprofessionalität und Unbedarftheit an den Tag legen konnte.
Was ich Jörg Kantel und auch andere Kritiker vorhalte, ist der Zwang, alles genau so sehen zu müssen, wie das der restliche Politikbetrieb tut. Das heisst nicht, dass ich es erstrebenswert finde, mit der Rechten in einen wie auch immer gearteten Dialog zu treten (das sehe ich eigentlich mitnichten so). Aber ich verlange schon das Recht, eigene Fehler zu machen und gestehe dieses Recht auch Andreas und anderen Piraten zu - auch wenn es dort natürlich Grenzen gibt. Das mag Jörg schlecht finden wenn er will und den Austritt erwägen, weil er sich in der falschen Organisation wähnt (was ich übrigens nicht hoffe). Aber “mit denen redet man nicht” ist für mich per se kein sinnvolles Argument, auch wenn ich persönlich ein Interview mit der Jungen Freiheit abgelehnt hätte und Andreas das auch geraten hätte, wenn er mich gefragt hätte.
“Wer viel macht, macht viele Fehler” - das ist nunmal ein Satz, der so einfach wie treffend ist. Und wir Piraten haben noch so unendlich viele Fehler vor uns, dass ich nicht wegen so einer bescheuerten Geschichte einen der unseren über Bord gehen lassen will.
Tags: Piraten, Piratenpartei, JF, Schockwellenreiter